Vortrag
Vom Überleben in der Shoah: Eine Zeitzeugin berichtet
Prof. Dr. Gertrude Schneider, New York
Gertrude Schneider, 1928 in Wien geboren, wurde mit ihrer Familie im Februar 1942 nach Riga deportiert. Die
Jugendliche überlebte die Internierung im Ghetto und die Zwangsarbeit im Konzentrationslager.
Im März 1945 wurde sie auf dem Todesmarsch in der Nähe von Danzig befreit. Nach der Auswanderung in die
USA machte sie Karriere als Historikerin des „Reichsjuden-Ghettos“ Riga. Das Standardwerk „Journey into Terror“ (1979) erscheint im April dieses
Jahres als überarbeitete und erweiterte Neuauflage in deutscher Sprache.
Eine Veranstaltung der Wolfgang Suwelack-Stiftung (Billerbeck) für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Montag 19.5.2008, 20 Uhr
Erbdrostenhof, Salzstraße 38
Eintritt frei
Herschel Grynspan und die Oktober-Deportation 1938
Rita Schlautmann-Overmeyer und Gisela Möllenhoff
“… the darkness declares the glory of light”-
Michael Tippetts Oratorium „A child of our time“ (1939-41), Martin Henning
Bereits im Oktober 1938 begann die Deutsche Reichsregierung
mit Deportationen jüdischer Familien an die polnische
Grenze. Darunter auch die
Familie Grynspan, deren 17-jähriger
Sohn Herschel am 7. November 1938
in Paris den deutschen Diplomaten
Ernst von Rath erschoss; eine Verzweiflungstat,
die die Nationalsozialisten zum Vorwand
für die Progromnacht am 9. November 1938 nahmen.
Sir Michael Tippett greift die Geschichte des Herschel
Grynspan besonders im zweiten Teil seines Oratoriums
„A child of our time“ auf und macht ihn zum Protagonisten
einer modernen Passion, die die Unmenschlichkeit
des Menschen gegenüber dem Menschen zum Thema
macht. Tippett schrieb sein Oratorium bei Ausbruch des
2. Weltkriegs.
Eine Veranstaltung der Akademie Franz Hitze Haus für den
„Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Mittwoch 21.5.2008, 20 Uhr
Akademie Franz Hitze Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50
Eintritt frei
Konzert: Oratorium für Soli, Chor und Orchester
Michael Tippett: A CHILD OF OUR TIME
Julia Borchert – Sopran
Ingeborg Danz – Alt
Justin Lavender – Tenor
Tobias Schabel – Bass
Philharmonischer Chor und
Sinfonieorchester Münster
Leitung: Martin Henning
Tippetts modernes Oratorium „A child of our time“ ist eine
Mahnung zu Toleranz, Humanität und Gerechtigkeit, die in
dieser eindeutigen Programmatik und Allgemeinverständlichkeit
in der Neuen Musik nur wenige Gegenstücke hat.
Das dreiteilige Werk wird gegliedert durch 5 Spirituals, die
in besonderer Weise gemeinschaftliche Erfahrungen ausdrücken,
und damit die Funktion des Chorals in einem Oratorium
übernehmen.
expedition Theater konfrontiert die Musik
von Tippett mit Szenen aus „Furcht und
Elend des Dritten Reiches“, das Bertolt
Brecht in der Emigration in den Jahren
1935-1939 geschrieben hat. Sie zeichnen
das Bild des Faschismus und der ihn konstituierenden
Mentalität.
Eine Veranstaltung des Philharmonischen Chores, des
Sinfonieorchesters Münster und expedition Theater für den
„Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Samstag 24.5.2008, 20 Uhr
Stadt- und Marktkirche St. Lamberti
Eintritt: 19 Euro / 11 Euro erm.
Tanzabend von Daniel Goldin
Tagelang und Nächtelang
Als Adressatin der ‘’Briefe an Milena’’ von Franz Kafka
ist Milena Jesenská, Übersetzerin und Geliebte des
Dichters, in die europäische Literaturgeschichte eingegangen.
Sie war eine hervorragende Journalistin, die in
den 20er und 30er Jahren für die wichtigsten tschechischen
Zeitungen schrieb. In ihren Artikeln, Feuilletons
und politischen Reportagen
schilderte sie mit scharfem
Blick fürs Detail und großer
emotionaler Wärme Lebensumstände
und groteske
Situationen aus dem Alltag
der sogenannten „Kleinen
Leute“. Ausgestattet mit
einer überwältigenden
Lebenskraft kämpfte sie
gegen jede Form der Unterdrückung,
sei es durch ihren Vater, ihre Ehemänner, die
Kommunistische Partei oder das Nazi-Regime.
In „Tagelang und Nächtelang“ bilden zwei signifikante
Phasen ihrer Biographie, die Adoleszenz im Prager
Künstlermilieu sowie die Lagerzeit in Ravensbrück, die
Pole, zwischen denen die Choreographie sich atmosphärisch
bewegt.
Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster für
den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termine
Samstag 24.5., 31.5. und 14.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Großes Haus, Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100
Gesprächsabend
Spurensuche: Frühe Recherchen über die Deportationen in den Holocaust
Ein Gespräch mit dem Journalisten Heiner Lichtenstein
und dem Historiker Winfried Nachtwei
Heiner Lichtenstein,
redigiert die Zeitschrift "Tribüne" und war Berichterstatter
von NS-Prozessen. Er hat bereits 1985 mit
seinem Buch „Mit der Reichsbahn in den Tod“ aufgezeigt,
wie ein Unternehmen zu einer mörderischen
Institution wurde.
Winfried Nachtwei,
Mitglied des Deutschen Bundestages, begann sehr
früh, die Geschichte Rigas, Ziel von Deportationen aus
dem Münsterland, aufzuarbeiten.
Eine Veranstaltung des Vereins Spuren Finden e .V. für
den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termine
Dienstag 27.05.08, 20 Uhr
Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28
Eintritt frei
Vortrag von Alfred Gottwaldt, Berlin
Die „Judentransporte“ aus Deutschland
Trotz zahlreicher Untersuchungen zur
Geschichte der Verschleppung aus einzelnen
deutschen Städten und Regionen
sowie Fallstudien zu den Vorgängen am
Zielort der Transporte, ist erst sechzig Jahre nach Kriegsende
die erste umfassende Übersicht zu den Deportationen von
Juden aus dem Deutschen Reich in Ghettos und Vernichtungslager
von Alfred Gottwaldt (und Diana Schulle) erschienen.
Alfred Gottwaldt, Abteilungsleiter und Kustos am Deutschen
Technikmuseum Berlin sowie Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen
zur Eisenbahngeschichte, entwickelt auf der Grundlage
seiner Forschungen einen Überblick zu den „Judendeportationen“,
kennzeichnet und erläutert die aktuellen Forschungsergebnisse
und die heute verfolgten Frageansätze.
Eine Veranstaltung des Evangelischen Forums Münster e.V.
für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Donnerstag 29.5.2008, 20 Uhr
VHS-Überwasser, Katthagen 7
Eintritt frei
Konzert
Ensembles DRAj - Kinderjorn
Manuela Weichenrieder – Gesang
Ralf Kaupenjohann – Akkordeon
Ludger Schmidt – Violoncello
Abseits von der üblichen Klezmermusik – versucht diese
Gruppe behutsam, den Liedtexten gerecht zu werden. Der
Charakter eines jeden Stückes
wird dabei geprägt von den
authentischen Musikerfahrungen
der einzelnen Mitglieder. Diese
liegen in der Klassik, in der
Moderne und im Jazz.
Die Lieder aus den Ghettos erzählen
Geschichten, drücken Lebensfreude
und Hoffnung ebenso aus wie Trauer und Verzweiflung.
Viele dieser Lieder entstanden in den Ghettos von
Warschau und Wilna und wurden auch in den Nazi-Konzentrationslagern
gesungen. Da irrt im Lied Frühling eine junge
Frau verzweifelt von Gasse zu Gasse und kann keinen Platz
finden ohne ihren Liebsten…
Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit Münster e.V. und der Volkshochschule Münster
für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Donnerstag 5.6.2008, 20 Uhr
Dominikanerkirche, Salzstr. 5
Eintritt: 8 Euro / 6 Euro erm.
Stadtrundgang:
Stätten jüdischen Lebens in Münster
von und mit Andreas Determann
Anhand von ausgewählten Stationen
soll dem jüdischen Leben in Münster
„nachgegangen“ werden. Der historische
Bogen reicht dabei vom Mittelalter
bis in die Gegenwart.
Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit Münster e.V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung
Münster“.
Termin
Sonntag 8.6.2008, 14.00 Uhr
Treffpunkt: Syndikatplatz (Hintereingang von Poertgen-Herder)
Eintritt: 5 Euro (Mitglieder CJZ frei)
Papirene Kinder
Choreographischer Roman von Daniel Goldin
Ein Stück, das sich mit dem Thema Emigration auseinandersetzt.
Ein choreographischer Roman, der von Menschen
zwischen Abschied und Aufbruch, zwischen Suche
und Neubeginn, zwischen Altvertrautem und Unbekanntem
erzählt. Menschen, die ihre Heimat
verlassen haben, um in der Fremde
eine neue Heimat zu finden. Papirene
Kinder ist auch ein Stück über
die Erinnerung, die der Mensch in
sich trägt, die sich nicht auslöschen
lässt, die ihn unbewusst beeinflusst.
Der Titel des Stückes ist zugleich der
Titel eines alten jiddischen Volksliedes: Papirene Kinder
bezeichnet die Emigrierten, zu denen der Kontakt nur
noch durch Briefe besteht.
Musik: Bruch, Mendelssohn, Orff, Ovadia, Smetana, Weill,
jiddische Lieder und traditionelle Musik aus der Ukraine.
Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster und der
SPD Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung
Münster“.
im Anschluss:
Lesung: Kinder über den Holocaust
Prof. Alfons Kenkmann (Münster/Universität Leipzig) und
Elisabeth Kohlhaas (Universität Leipzig) lesen aus den Überlebensberichten,
die kürzlich erst im deutschsprachigen Raum
veröffentlicht wurden.
Unmittelbar nach Beendigung der Kriegshandlungen führten
Vertreter der Jüdischen Historischen Kommission in
Polen Interviews mit überlebenden Kindern durch. Die Aussagen
der Mädchen und Jungen stehen unter dem Eindruck
der Geschehnisse: Sie bezeugen zeitnah und direkt die
Erfahrungen von Drangsalierung, Angst und Verfolgung. Sie
berichten von mutiger Rettung ebenso wie von verweigerter
Hilfe. Nur wenige Kinder haben den Holocaust überlebt.
Termin
Dienstag 10.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Kleines Haus
Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100
Vortrag:
Die Sprache der Opfer
Dr. Gisela Schwarze
In den Jahren seit 1940
bis 1944, als die Nazis die
jüdische Bevölkerung
Europas mit Zügen der
Reichsbahn in die Vernichtung
transportierten, fuhren
in Gegenrichtung Millionen
von Männern, Frauen
und Kindern aus Polen und der Sowjetunion als Arbeitssklaven
ins „Reich“, auch nach Münster, wo an die 1.000
Menschen allein bei der Reichsbahn schufteten.
Eine Veranstaltung von „Gegen Vergessen - für Demokratie“
e.V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Mittwoch 11.6.2008, 20 Uhr
Rüstkammer im Stadtweinhaus, Prinzipalmarkt
Eintritt frei
"Nächste Woche verreisen viele unserer
guten Freunde und Bekannten"
Themenabend von Gisela Möllenhoff und
Rita Schlautmann-Overmeyer
…schrieb Henny Waldeck am 5. Dezember 1941 an
ihren Sohn Hans in Argentinien.
Zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 erfolgte in vier
Deportationen die Verfrachtung der Juden zum angeblichen
Arbeitseinsatz in den eroberten Osten bzw. in das
„Altersghetto“ Theresienstadt. Die Referentinnen
beleuchten in ihrem Vortrag einerseits die bürokratische
Zusammenarbeit von Partei, kommunalen und
staatlichen Behörden sowie andererseits - anhand von
privaten Briefzeugnissen - die psychische Situation der
jüdischen Opfer.
Eine Veranstaltung des Stadtarchivs Münster für den
„Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Donnerstag, 12.6.2008, 18.00 Uhr
Stadtarchiv Münster, An den Speichern 8,
Münster-Coerde, Seminarraum
Eintritt frei
Tanzabend von Daniel Goldin:
In Öl und Nebel
Wie kein anderer Künstler
hat der 1904 in Osnabrück
geborene und 1944
in Auschwitz ermordete
Maler Felix Nussbaum alle
Erfahrungen der Jahrzehnte
nach dem Ersten Weltkrieg
in seinen Bildern
festgehalten und als Teil
seiner eigenen Situation
reflektiert, in die der
Künstler als Jude durch
die rassistische Ideologie
des nationalsozialistischen
Deutschland hineingestoßen wurde. Seine Werke
sind heute in Osnabrück im Felix-Nussbaum-Haus, das
der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind konzipiert
hat, zu sehen.
Daniel Goldin setzt seine Phantasie über die Arbeiten
des Malers und über das außergewöhnliche Museum in
bewegte Bilder, in Tanz um.
Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster für
den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.
Termin
Donnerstag, 12.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Großes Haus
Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100