Begleitprogramm


Regionales Begleitprogramm

Ausstellung

Ausstellungseröffnung

Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn
Eine Ausstellung der Deutschen Bahn AG mit einer lokalregionalhistorischen Ergänzungsausstellung des „Initiativkreises Deportationsausstellung Münster“.

Neben Vertretern der Veranstalter, die in die Ausstellung einführen, wird Prof. Dr. Gertrude Schneider, New York einen kurzen Erinnerungsbericht über ihre Deportation in das Ghetto Riga geben.

anschließend: Möglichkeit zum Besuch der Ausstellung im Hauptbahnhof Münster

Termin
Sonntag 18.5.2008, 11.30 Uhr
Rathausfestsaal, Prinzipalmarkt
Eintritt frei

Gertrude Schneider
Vortrag

Vom Überleben in der Shoah: Eine Zeitzeugin berichtet

Prof. Dr. Gertrude Schneider, New York

Gertrude Schneider, 1928 in Wien geboren, wurde mit ihrer Familie im Februar 1942 nach Riga deportiert. Die Jugendliche überlebte die Internierung im Ghetto und die Zwangsarbeit im Konzentrationslager. Im März 1945 wurde sie auf dem Todesmarsch in der Nähe von Danzig befreit. Nach der Auswanderung in die USA machte sie Karriere als Historikerin des „Reichsjuden-Ghettos“ Riga. Das Standardwerk „Journey into Terror“ (1979) erscheint im April dieses Jahres als überarbeitete und erweiterte Neuauflage in deutscher Sprache.

Eine Veranstaltung der Wolfgang Suwelack-Stiftung (Billerbeck) für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Montag 19.5.2008, 20 Uhr
Erbdrostenhof, Salzstraße 38
Eintritt frei

junger Mann

Herschel Grynspan und die Oktober-Deportation 1938

Rita Schlautmann-Overmeyer und Gisela Möllenhoff

“… the darkness declares the glory of light”-

Michael Tippetts Oratorium „A child of our time“ (1939-41), Martin Henning

Bereits im Oktober 1938 begann die Deutsche Reichsregierung mit Deportationen jüdischer Familien an die polnische Grenze. Darunter auch die Familie Grynspan, deren 17-jähriger Sohn Herschel am 7. November 1938 in Paris den deutschen Diplomaten Ernst von Rath erschoss; eine Verzweiflungstat, die die Nationalsozialisten zum Vorwand für die Progromnacht am 9. November 1938 nahmen. Sir Michael Tippett greift die Geschichte des Herschel Grynspan besonders im zweiten Teil seines Oratoriums „A child of our time“ auf und macht ihn zum Protagonisten einer modernen Passion, die die Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen zum Thema macht. Tippett schrieb sein Oratorium bei Ausbruch des 2. Weltkriegs.

Eine Veranstaltung der Akademie Franz Hitze Haus für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Mittwoch 21.5.2008, 20 Uhr
Akademie Franz Hitze Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50
Eintritt frei

Orchester
Michael Tippet

Konzert: Oratorium für Soli, Chor und Orchester
Michael Tippett: A CHILD OF OUR TIME

Julia Borchert – Sopran
Ingeborg Danz – Alt
Justin Lavender – Tenor
Tobias Schabel – Bass
Philharmonischer Chor und Sinfonieorchester Münster
Leitung: Martin Henning

Tippetts modernes Oratorium „A child of our time“ ist eine Mahnung zu Toleranz, Humanität und Gerechtigkeit, die in dieser eindeutigen Programmatik und Allgemeinverständlichkeit in der Neuen Musik nur wenige Gegenstücke hat. Das dreiteilige Werk wird gegliedert durch 5 Spirituals, die in besonderer Weise gemeinschaftliche Erfahrungen ausdrücken, und damit die Funktion des Chorals in einem Oratorium übernehmen.
expedition Theater konfrontiert die Musik von Tippett mit Szenen aus „Furcht und Elend des Dritten Reiches“, das Bertolt Brecht in der Emigration in den Jahren 1935-1939 geschrieben hat. Sie zeichnen das Bild des Faschismus und der ihn konstituierenden Mentalität.

Eine Veranstaltung des Philharmonischen Chores, des Sinfonieorchesters Münster und expedition Theater für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Samstag 24.5.2008, 20 Uhr
Stadt- und Marktkirche St. Lamberti
Eintritt: 19 Euro / 11 Euro erm.

Tänzer

Tanzabend von Daniel Goldin
Tagelang und Nächtelang

Als Adressatin der ‘’Briefe an Milena’’ von Franz Kafka ist Milena Jesenská, Übersetzerin und Geliebte des Dichters, in die europäische Literaturgeschichte eingegangen. Sie war eine hervorragende Journalistin, die in den 20er und 30er Jahren für die wichtigsten tschechischen Zeitungen schrieb. In ihren Artikeln, Feuilletons und politischen Reportagen schilderte sie mit scharfem Blick fürs Detail und großer emotionaler Wärme Lebensumstände und groteske Situationen aus dem Alltag der sogenannten „Kleinen Leute“. Ausgestattet mit einer überwältigenden Lebenskraft kämpfte sie gegen jede Form der Unterdrückung, sei es durch ihren Vater, ihre Ehemänner, die Kommunistische Partei oder das Nazi-Regime. In „Tagelang und Nächtelang“ bilden zwei signifikante Phasen ihrer Biographie, die Adoleszenz im Prager Künstlermilieu sowie die Lagerzeit in Ravensbrück, die Pole, zwischen denen die Choreographie sich atmosphärisch bewegt.
Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termine
Samstag 24.5., 31.5. und 14.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Großes Haus, Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100

Gleise

Gesprächsabend
Spurensuche: Frühe Recherchen über die Deportationen in den Holocaust

Ein Gespräch mit dem Journalisten Heiner Lichtenstein
und dem Historiker Winfried Nachtwei


Heiner Lichtenstein,
redigiert die Zeitschrift "Tribüne" und war Berichterstatter von NS-Prozessen. Er hat bereits 1985 mit seinem Buch „Mit der Reichsbahn in den Tod“ aufgezeigt, wie ein Unternehmen zu einer mörderischen Institution wurde.

Winfried Nachtwei,
Mitglied des Deutschen Bundestages, begann sehr früh, die Geschichte Rigas, Ziel von Deportationen aus dem Münsterland, aufzuarbeiten.

Eine Veranstaltung des Vereins Spuren Finden e .V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termine
Dienstag 27.05.08, 20 Uhr
Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28
Eintritt frei

Alfred Gottwaldt

Vortrag von Alfred Gottwaldt, Berlin
Die „Judentransporte“ aus Deutschland

Trotz zahlreicher Untersuchungen zur Geschichte der Verschleppung aus einzelnen deutschen Städten und Regionen sowie Fallstudien zu den Vorgängen am Zielort der Transporte, ist erst sechzig Jahre nach Kriegsende die erste umfassende Übersicht zu den Deportationen von Juden aus dem Deutschen Reich in Ghettos und Vernichtungslager von Alfred Gottwaldt (und Diana Schulle) erschienen. Alfred Gottwaldt, Abteilungsleiter und Kustos am Deutschen Technikmuseum Berlin sowie Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen zur Eisenbahngeschichte, entwickelt auf der Grundlage seiner Forschungen einen Überblick zu den „Judendeportationen“, kennzeichnet und erläutert die aktuellen Forschungsergebnisse und die heute verfolgten Frageansätze.

Eine Veranstaltung des Evangelischen Forums Münster e.V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Donnerstag 29.5.2008, 20 Uhr
VHS-Überwasser, Katthagen 7
Eintritt frei

Ensemble

Konzert
Ensembles DRAj - Kinderjorn

Manuela Weichenrieder – Gesang
Ralf Kaupenjohann – Akkordeon
Ludger Schmidt – Violoncello

Abseits von der üblichen Klezmermusik – versucht diese Gruppe behutsam, den Liedtexten gerecht zu werden. Der Charakter eines jeden Stückes wird dabei geprägt von den authentischen Musikerfahrungen der einzelnen Mitglieder. Diese liegen in der Klassik, in der Moderne und im Jazz. Die Lieder aus den Ghettos erzählen Geschichten, drücken Lebensfreude und Hoffnung ebenso aus wie Trauer und Verzweiflung. Viele dieser Lieder entstanden in den Ghettos von Warschau und Wilna und wurden auch in den Nazi-Konzentrationslagern gesungen. Da irrt im Lied Frühling eine junge Frau verzweifelt von Gasse zu Gasse und kann keinen Platz finden ohne ihren Liebsten…

Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. und der Volkshochschule Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.



Termin
Donnerstag 5.6.2008, 20 Uhr
Dominikanerkirche, Salzstr. 5
Eintritt: 8 Euro / 6 Euro erm.

Münsters Synagoge

Stadtrundgang:
Stätten jüdischen Lebens in Münster

von und mit Andreas Determann

Anhand von ausgewählten Stationen soll dem jüdischen Leben in Münster „nachgegangen“ werden. Der historische Bogen reicht dabei vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Eine Veranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Sonntag 8.6.2008, 14.00 Uhr
Treffpunkt: Syndikatplatz (Hintereingang von Poertgen-Herder)
Eintritt: 5 Euro (Mitglieder CJZ frei)

Szenenbild: Tanzabend

Papirene Kinder
Choreographischer Roman von Daniel Goldin

Ein Stück, das sich mit dem Thema Emigration auseinandersetzt. Ein choreographischer Roman, der von Menschen zwischen Abschied und Aufbruch, zwischen Suche und Neubeginn, zwischen Altvertrautem und Unbekanntem erzählt. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um in der Fremde eine neue Heimat zu finden. Papirene Kinder ist auch ein Stück über die Erinnerung, die der Mensch in sich trägt, die sich nicht auslöschen lässt, die ihn unbewusst beeinflusst. Der Titel des Stückes ist zugleich der Titel eines alten jiddischen Volksliedes: Papirene Kinder bezeichnet die Emigrierten, zu denen der Kontakt nur noch durch Briefe besteht. Musik: Bruch, Mendelssohn, Orff, Ovadia, Smetana, Weill, jiddische Lieder und traditionelle Musik aus der Ukraine.

Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster und der SPD Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

im Anschluss:
Lesung: Kinder über den Holocaust

Prof. Alfons Kenkmann (Münster/Universität Leipzig) und Elisabeth Kohlhaas (Universität Leipzig) lesen aus den Überlebensberichten, die kürzlich erst im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurden.

Unmittelbar nach Beendigung der Kriegshandlungen führten Vertreter der Jüdischen Historischen Kommission in Polen Interviews mit überlebenden Kindern durch. Die Aussagen der Mädchen und Jungen stehen unter dem Eindruck der Geschehnisse: Sie bezeugen zeitnah und direkt die Erfahrungen von Drangsalierung, Angst und Verfolgung. Sie berichten von mutiger Rettung ebenso wie von verweigerter Hilfe. Nur wenige Kinder haben den Holocaust überlebt.

Termin
Dienstag 10.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Kleines Haus
Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100

Bild eines Opfers

Vortrag:
Die Sprache der Opfer

Dr. Gisela Schwarze
In den Jahren seit 1940 bis 1944, als die Nazis die jüdische Bevölkerung Europas mit Zügen der Reichsbahn in die Vernichtung transportierten, fuhren in Gegenrichtung Millionen von Männern, Frauen und Kindern aus Polen und der Sowjetunion als Arbeitssklaven ins „Reich“, auch nach Münster, wo an die 1.000 Menschen allein bei der Reichsbahn schufteten.

Eine Veranstaltung von „Gegen Vergessen - für Demokratie“ e.V. für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Mittwoch 11.6.2008, 20 Uhr
Rüstkammer im Stadtweinhaus, Prinzipalmarkt
Eintritt frei

"Nächste Woche verreisen viele unserer guten Freunde und Bekannten"

Themenabend von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer …schrieb Henny Waldeck am 5. Dezember 1941 an ihren Sohn Hans in Argentinien. Zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 erfolgte in vier Deportationen die Verfrachtung der Juden zum angeblichen Arbeitseinsatz in den eroberten Osten bzw. in das „Altersghetto“ Theresienstadt. Die Referentinnen beleuchten in ihrem Vortrag einerseits die bürokratische Zusammenarbeit von Partei, kommunalen und staatlichen Behörden sowie andererseits - anhand von privaten Briefzeugnissen - die psychische Situation der jüdischen Opfer.

Eine Veranstaltung des Stadtarchivs Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“. Termin
Donnerstag, 12.6.2008, 18.00 Uhr
Stadtarchiv Münster, An den Speichern 8,
Münster-Coerde, Seminarraum
Eintritt frei

Tanzabend von Daniel Goldin:
In Öl und Nebel

Wie kein anderer Künstler hat der 1904 in Osnabrück geborene und 1944 in Auschwitz ermordete Maler Felix Nussbaum alle Erfahrungen der Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg in seinen Bildern festgehalten und als Teil seiner eigenen Situation reflektiert, in die der Künstler als Jude durch die rassistische Ideologie des nationalsozialistischen Deutschland hineingestoßen wurde. Seine Werke sind heute in Osnabrück im Felix-Nussbaum-Haus, das der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind konzipiert hat, zu sehen.
Daniel Goldin setzt seine Phantasie über die Arbeiten des Malers und über das außergewöhnliche Museum in bewegte Bilder, in Tanz um.

Eine Veranstaltung der Städtischen Bühnen Münster für den „Initiativkreis Deportationsausstellung Münster“.

Termin
Donnerstag, 12.6.2008, 19.30 Uhr
Städtische Bühnen Münster, Großes Haus
Neubrückenstraße 63
Karten: 02 51/ 59 09-100